Materiallager für Insekten

Materiallager für Insekten

Der Garten ist für die unterschiedlichsten Insekten auch Materiallager für ihren Nestbau. Blätter, Pflanzenfasern und -stängel, Sand, Lehm und Moos sind beliebte Baustoffe.

Hummeln

Zwei ErdhummelnIm zeitigen Frühjahr sieht man oft eine große Hummel dicht über dem Boden umherfliegen. Es ist eine Hummelkönigin auf der Suche nach dem geeigneten Ort für ihr Nest. Dieser muss vor Regen und Nässe geschützt und trocken sein. Verlassene Maus- oder Maulwurfkessel sind ideal und werden gerne besiedelt. Zum Nestbau zerbeißt die Hummel dürre Halme, Moos, Wurzeln, oft auch Tierhaare und Federn und flicht daraus eine feste, dichte Kugel. Auf dem vorher geglätteten Boden bringt sie die Kugel an.

Die unterschiedlichen Hummelarten nisten auch an ganz unterschiedlichen Orten. So die Baumhummel vorwiegend in Baumhöhlen, die Steinhummel bevorzugt unter Steinhaufen und die Wiesenhummel hauptsächlich unter Reisig, Moos oder Grasbüscheln. Die Ackerhummel legt ihre Nester sowohl ober- als auch unterirdisch an, dabei kann auch mal ein alter Putzlappen als Kinderstube dienen.

Bienen

Buschmalve mit BieneHonigbienen nisteten früher im Wald in Baumhöhlen. Wegen ihres begehrten Honigs hielten Menschen schon früh Bienen im Wald. Zum Schutz vor Plünderern waren die Nisthöhlen in bis zu fünf Metern Höhe angebracht. Da die Honigernte aber sehr mühsam war, ließ man ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Bienen ihre Waben aus Wachs in herausnehmbare Holzrähmchen am Boden bauen. Honigbienen leben in Staaten.

Solitärbienen

Rundblättrige Glockenblume mit WildbieneSolitärbienen sorgen alleine für Nachkommen. Meist bauen sie Linienbauten aus mehreren hintereinander liegenden Brutzellen, von kleinen Trennwänden unterteilt und am Ende mit einem Deckel verschlossen. In jede Zelle kommt ein Ei und Proviant aus Pollen und Nektar für die später schlüpfende Larve. Die Mauerbiene fertigt einen Mörtel aus Sand, Lehm, zerkauten Blättern und Speichel und baut ihre Nester in Holz, hohlen Stengeln oder anderen kleinen Hohlräumen. Oft werden auch alte Schneckengehäuse genutzt.

Blattschneiderbiene

Blattschneiderbiene (Foto: Bernhard Plank, CC-BY-SA 2.5)

Die Blattschneiderbiene schneidet Stückchen aus den Blättern von Wildrosen oder Flieder und trägt diese in einen hohlen Pflanzenstängel oder in morsches Holz. Aus mehreren ovalen Blattstückchen dreht sie ein fingerhutartiges Gebilde als Brutraum, der später mit einem Deckel aus kreisrunden Stückchen verschlossen wird. Die Blätter enthalten Gerbsäure und bieten so Schutz gegen Feuchtigkeit und Schimmelbildung.
 

Wespen

Solitärwespen haben einen ähnlichen Nestbau wie Wildbienen. Ihre Brutröhren können in Sandböden, Lehmwänden, morschem Holz oder Mark von Pflanzenstängeln errichtet sein. Oft sieht man zwischen Gehwegplatten kleine Sandhäufchen. Diese sind meist das Werk von Sandwespen, die in kleinen Kolonien im Sand nisten. Die Gemeine Sandwespe verschließt die Nestöffnung mit kleinen Steinchen.

Französische WespeStaatenwespen bauen Waben. Da sie keinen Wachs produzieren könnnen, nagen sie oberflächlich verwittertes Holz ab, zerkauen es zu einer Paste und formen daraus mit den Mundwerkzeugen papierdünne Streifen. In mehreren Lagen entsteht so ein kunstvolles Nest, das zur Wärmeisolation auch Hohlräume enthält. Es kann, je nach Wespenart, aus einer oder mehreren Waben bestehen, mit oder ohne Schutzhülle versehen sein und ober- oder unterirdisch gelegen sein. Oft nutzen Wespen auch Hohlräume wie Dachböden oder Rolladenkästen.

Weiter zu „Materiallager für Säugetiere“

Alle Fotos, außer Blattschneiderbiene von A. Sondermann